Hexen und Schamanen


Unsere Ahnen in Mitteleuropa waren Angehörige der Waldvölker. In den großen dichten Wäldern lebten sie einst in Gemeinschaft mit den Tieren und Pflanzen. Unter ihnen gab es Menschen, die im engen Kontakt mit den Geistern der Tiere, Pflanzen und Naturerscheinungen standen. Diese Menschen kennen wir heute als Schamanen. Das Wort "Schamane" stammt jedoch aus dem tungusisch/ewenkischen Bereich in Asien, obwohl es heute gerne weltweit für Menschen gebraucht wird, die mit den Naturgeistern in Verbindung stehen, Zauber und Orakel durchführen. Bei uns in Mitteleuropa gab es andere Namen für solche Menschen; man bezeichnete sie als Zauberer, Seidleute, Galsterer, Alrunen, Hagzissen. In Nordeuropa kannte man sie auch als Völvas. Vor allem Frauen waren als Schamaninnen, als Hagzissen tätig gewesen, da man ihnen besondere geistige Kräfte nachsagte. Aus dem Wort "Hagazisse, Hagzisse" wurde später "Hexe". Das Wort hat seinen Ursprung im germanischen *hagaz (geschickt, klug, tüchtig), das wiederum auf indogerm. *kak (helfen, vermögen, hegen, schützen) zurückgeht. Ihm entsprechen das lateinische "saga, sagax" (Wahrsagerin, scharfsinnig) und das altnordische "hagr". Die Hexe ist also die kluge, geschickte, scharfsinnige, weissagende und helfende Frau. In der Tradition der Hagzissen steht auch Bjarka.

Die Hagzisse/Hexe befindet sich auf der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der wilden Natur, in der die Geister leben. Im schamanischen Weltbild ist alles beseelt oder umseelt. In den Menschen und Tieren ist die Seele inkarniert, während sie sich bei den Pflanzen und Steinen im Umfeld der Pflanze bzw. des Steins befindet. Daher atmen und fühlen die Tiere wie wir; der Atem ist ein Ausdruck der Seele. Neben der Seele gibt es noch den Geist eines jeden Wesens. Im Menschen ist sein individueller Geist verkörpert, während jede Tierart ihren besonderen Gruppengeist besitzt, der außerhalb der Tierkörper in der spirituellen Welt existiert. Darum haben die Tiere einen besseren Zugang zu geistigen Welten. Das wußten schon die alten Völker und erkannten in den Tieren die Vertrauten der Götter und Geister. Die wilden Tiere sind unsere weisen Geschwister. Auch die Pflanzen stehen mit ihrem Pflanzengeist in Verbindung mit höheren Welten und sind daher voll großer Weisheit. Sie können uns vieles lehren; sie schützen, nähren und heilen uns. Aber auch die Geister der Steine, der Flüsse, Quellen und Berge, der Erde, des Himmels, des Feuers und des Windes können mit der Hexe in Verbindung treten. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Ahnen, die Geister der Verstorbenen. Bjarka widmet sich schon seit langer Zeit der Ahnenforschung. Für unsere Vorfahren in Mitteleuropa spielte vor allem die Sippe der Frau eine wichtige Rolle. Die Bindung zum Bruder der Mutter wurde als enger erachtet als die zum eigenen Vater. Jede Sippe hat ihre Ahnfrau, ihre Urmutter, das ist ein Geistwesen, welches die Angehörigen der Familie beschützt. Für die Hexe ist die Ahnfrau eine enge Vertraute; durch sie erfährt sie ihre Einweihung auf der Ebene der Geister. Bjarkas Ahnfrau kommt aus dem Stamme der Silesier, welche Schlesien seinen Namen gaben. Die Ahnfrau kann übrigens auch in Tiergestalt erscheinen.
 

Fliegenpilze in Hexe Bjarkas Garten. Der Fliegenpilz ist für viele Schamanen ein mächtiger Hilfsgeist. Mithilfe dieses Geistes reisen sie in die Unterwelt.



Da der Mensch Geist und Seele in sich trägt, ist er mehr von der Natur und ihren spirituellen Ebenen abgeschnitten, als es die Tiere und Pflanzen sind. Dadurch besteht die Gefahr, daß er immer weniger mit, sondern immer mehr gegen die Natur lebt. Die Auswirkungen einer solchen ungesunden Geisteshaltung können wir ja heute weltweit sehen.

Die Hexe ist eine Vermittlerin zwischen der Menschenwelt und der Welt der Geister und Götter. Heute gibt noch einige volkstümliche Vorstellungen von einer Hexe, die ihren Ursprung im Schamanentum haben, wie z. B. das Wirken von Zaubern, das Heilen mit Kräutern, der Kontakt mit Geistern, der Hexenflug und dergleichen. Beim Hexenflug handelt es sich um eine schamanische Seelenreise. Um eine solche Reise unternehmen zu können, ist eine Erweiterung des Bewußtseins notwendig, um die Seele vom Körper zu lösen. Das kann im Schlaf geschehen, vor allem an der Grenze zwischen Schlafen und Wachen. Bjarka hat seit frühester Kindheit Erfahrungen mit dem Seelenfluge. Manche Schamanen führen diesen Zustand auch durch Tänze, Gesänge, Fasten oder die Einnahme bestimmter Pflanzen herbei.

Jeder Mensch gehört zu einer bestimmten spirituellen Sippe, zu der eine bestimmte Tierart, ein bestimmter Baum und ein bestimmtes Kraut gehören. Diese Wesen zeigen auch, in welcher Richtung ein Mensch besondere Fähigkeiten hat; so weist z. B. der Bär auf einen Heiler, der Wolf auf einen Krieger hin. Daneben erwirbt sich die Hexe noch allerlei andere Hilfs- und Folgegeister. Bei uns nannte man einen solchen Folgegeist "Fulgja".

Der Schamane hat zwei Grundlagen: Die eigenen Erfahrungen und die Überlieferungen der Ahnen. Die Überlieferungen der Ahnen spiegeln ihre eigenen spirituellen Erfahrungen wieder. Darum ist es wichtig, daß der Schamane die Märchen, Sagen, Lieder, das Wissen über die Tiere und Pflanzen und die alten Bräuche seiner eigenen Ahnen gut kennt. Darum befaßt sich Bjarka intensiv mit den Überlieferungen ihrer heidnischen Ahnen. Dazu kommen dann noch die eigenen Erfahrungen, die eine Schamanin/Hexe in der Natur mit ihren Geistwesen macht. Sie muß die Natur sinnlich, seelisch und geistig erfassen und verstehen lernen; dazu ist ein intensiver Kontakt mit ihr notwendig. Die Hexe/Schamanin muß lernen, sich ihr vollkommen zu öffnen, ihre Zeichen zu erkennen und respektvoll mit ihr zu kommunizieren. Mutter Erde schenkt der Hexe besondere Kräfte.

 

Die Kröte ist das heilige Tier der Erdmutter und Freundin der Hexe. Hier zeigt sich eine Erdkröte aus Bjarkas Garten.

 

Der Schamane kennt 3 Hauptwelten bzw. 9 Welten insgesamt. In der Oberwelt, welche in 3 Himmel unterteilt ist, leben Allvater, die Götter und hohen Geister (Disen, Lichtelben und edle Menschengeister), in der mittleren die Menschen, Tiere und Pflanzen, in der Unterwelt die Totengeister. Diese Welten sind durch eine Achse miteinander verbunden, das ist die Weltachse oder der Weltbaum. Der Weltbaum hat seine Wurzeln im Himmel und breitet seine Äste nach unten aus. Auf diesem Weltbaum kann die Hexe durch die verschiedenen Welten reisen. Unsere Ahnen in Mitteleuropa sahen in der Esche, dem höchsten aller Bäume, ein Abbild dieses Weltbaums. Allvater hing einst 9 Nächte am Weltbaum und erfuhr so die Geheimnisse der Runen.

Die Technik, mit der Seele willentlich aus dem Körper herauszutreten, nannte man bei uns das "Außensitzen". Nach den Überlieferungen waren es oft Orte wie Grabhügel, Kreuzwege oder Hausdächer, welche für das Außensitzen aufgesucht wurden. Der schamanische Flug wurde hingegen "Gandritt" genannt.

Schamanentum hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit den Erfahrungen der Seele. Was wir erleben, ist real, ganz egal ob dies auf der Alltags-Ebene, der Traum-Ebene, der Trance-Ebene oder sonstigen Ebene geschieht. Alle Welten (Bewußtseinsebenen) existieren gleichberechtigt nebeneinander, keine ist wahrer als die andere. Die Hexe durchwandert diese verschiedenen Welten und tritt mit den jeweiligen dortigen Bewohnern in Kontakt. Meistens sind es die erdnahen Welten, die sie bereist; nur sehr wenigen Schamanen gelingt es, bis in die höchsten Welten zu gelangen. Unseren Allvater, den Schöpfergott, vermag kein noch auf Erden lebendes Wesen in seiner wahren Gestalt zu erblicken; er kann uns nur verhüllt erscheinen.

Eine schamanische Begabung ist angeboren, darum kann man bei der Deutung des Geburtshoroskopes Hinweise auf eine solche Begabung finden. Zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigen sich gewisse Geistwesen und offenbaren der Person ihre besondere Begabung. Folgt man seiner Berufung nicht, so können sich Erkrankungen oder andere Probleme zeigen. Den Weg der Hexe sucht man sich nicht selber aus, sondern man wird für diesen Weg geboren.

Empfohlene Literatur:

Die Welt der Hexen 
Hexensabbat
Hexenmedizin